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Thomas Jocher Horizon

Sabine Scholl


Horizon, as far as you can see


In the beginning was the end of the world porous here and there. Trespassing was possible. Some people jumped up and down - a visitor who changed his view-point; and yet untouched, he left the ground beyond the edge. Hidden behind the sky-line the secret remained.

But then the horizon finds itself pictured in the world, opens the space. It is what it is, means no more. Organizes what is meant to be seen. The relation between the visible and invisible is determined at the transition line. The eye is caught there to take a fresh look or else to get lost in the void above. The horizon gives certitude to the picture. Like the frame it cuts the ideal measure, a zoom, no blur, no distortion.

Everything in the right place. Just as it should be.

Just not as judged by the eye. The dispersion of space is dressed by the horizon. Thus the eye follows the rules of perspective, neither destracted nor conceited.

And then the breach. The acceleration, travelling possible to various destination weigh upon perception. What a choice. Everything available, distances all the same. The edge no longer stable, begins to move. farther and farther, into infinity; thirst for knowledge urges you on, the unknown is just not yet known.

Now you look through over and again.

And the landscape? The things? The shape of the figures? No more gold-background that promises to be looked at by a god. The meta-space is absorbed by the black ground. And to the fore: the skin that coats a body, everything, the landscape, all shapes. Anything visible and existing is now replaced by a monstrous body, a gigantic enlargement of the depicted figure. A human remainder now forms the horizon. The skin-coloured globe sets itself against the black background of nonentity an abstract sign, a fragment no longer clearly apt to be combined into a whole if at all one would want to do so.

But nobody does.

Anyhow space-travel and endless escape into tele-vision compensate for the space . There are no more through-ways for the eye and it looks as if the sightworthy would want to eat us up or to choke us. Pictures and transmitters overlaps. They cannot exist side by side, but flash up in succession faster and faster.

And we jump and we leap.

There the origin gives way. The edges turn inside the subject, go on playing there.
What remains to be depicted?

Nothing.

The object does not look backward. The subject is not looked at. This is the transition to another process, beyond the shape. There is the machine. It knows no horizon. And behind the edge of the world there is no end and you leap into the be-all and end-all. Only there the unbounded makes you stumble. The onlooker is thrown back into minuteness. The distance between the extreme edges, all andatom, is covered in no time and shapeless.

The body stays outside.

We know but that we know. The body is just a stage, one dimension among many others. The horizon was the edge. God was the eye. The body was the picture.

And nothing does not end.


(translated from german original by Herbert Jocher)


Thomas Jocher



Thomas Jocher Horizon

Sabine Scholl


Horizont, Soweit Man Sehen Kann


Am anfang war das ende der welt an manchen stellen porös. Die schwelle konnte überschritten werden. Manche menschen sprangen hin und her - ein besuch, der die blickrichtung veränderte und dennoch das gebiet jenseits der grenze unangetastet ließ. Es blieb geheimnis, was sich hinter der himmelslinie verbarg.

Dann aber findet sich der horizont im bild von der welt, öffnet dessen raum. Er ist, was er ist, bedeutet nicht mehr. Denn er organisiert, was es wahrzunehmen gilt. Am übergang wird das verhältnis von sichtbar und unsichtbar bestimmt. Hier fängt sich der blick, um erneut anzusetzen oder nach oben hin ins leere zu verlaufen.
Der horizont ist eine gewißheit für das bild. Wie der rahmen schneidet er das ideale maß zurecht, ein sehen ohne unschärfe und verzerrung.

Alles am richtigen platz. Wie es sein soll.

Und nicht wie das augenmaß glaubt. Das auseinanderstreben des raumes wird gerichtet mithilfe des horizonts. Der blick folgt so den perspektivischen regeln und ist nicht abgelenkt oder ein-gebildet.

Und dann der bruch. Das schnellerwerden der fortbewegung, die nun möglichen reisen an verschiedene orte drücken auf die wahrnehmung. So viel auswahl. Alles ist erreichbar, distanzen sind gleich gültig geworden. Die grenze nicht mehr fest gesetzt, sie beginnt zu wandern.
Es geht immer weiter, ins unendliche hinein; das wissenwollen treibt voran, das unbekannte ist nur noch nicht bekannt.

Ein durchblick folgt jetzt auf den anderen.

Und die landschaft? Die gegenstände? Die körper der figuren?
Kein goldgrund verspricht mehr das angesehenwerden durch einen gott. Das überräumliche ist aufgesaugt vom schwarzen grund. Und im vordergrund die haut, die einen körper überzieht, der alles ist, die landschaft und ihre figuren.
Das sichtbar vorhandene ist nun ersetzt durch einen monströsen körper, eine riesenhafte vergrößerung der abgebildeten figur. Ein menschlicher rest bildet nun den horizont. Die hautfarbene kugel stellt sich gegen den schwarzen grund des nicht-vorhandenen; ein abstraktes zeichen, ein bruchstück, das nicht mehr ein-deutig einem ganzen zuzuordnen wäre, wenn man wollte.

Aber es will ja keiner.

Ohnehin ist der raumdurst ersetzt durch die raumfahrt und die unendliche flucht ins fern-sehen. Da gibt es keine blickbahnen mehr und es ist, als ob das zu sehende uns aufessen möchte oder uns ersticken. Die bilder und sender schlagen sich. Sie können nicht nebeneinander bestehen, sondern blitzen immer schneller hintereinander auf.

Und wir springen unablässig.

Da weicht der ursprung zurück. Die grenzen wandern ins innere des subjekts, spielen dort weiter.
Was bleibt noch abzubilden?

Nichts.

Das objekt blickt nicht zurück. Das subjekt ist nicht angesehen. Das ist der übergang in einen anderen prozeß, jenseits des körpers. Dort ist die maschine. Sie kennt keinen horizont.
Und nach dem rand der welt geht es endlos fort und kommt der sprung ins all. Dort erst macht das unbegrenzte taumeln und wirft den betrachter zurück ins ganz kleine. Die strecke zwischen den äußersten grenzen, all und atom, wird raschestmöglich durchmessen und ohne den körper.

Der körper bleibt draußen.

Wir wissen nur, daß wir wissen. Der körper ist bloß eine
station, eine dimension unter vielen anderen.
Der horizont war die grenze. Gott war das auge. Der körper war das bild.

Und nichts hört nicht auf.


Thomas Jocher