Böhmische Bibel


 

Band 1: Fiona

Band 2: Libuše

Band 3: Herminator

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Erstes Buch


Fiona

1Ich bin arm und schön, seufzte sie.
Tja, so beginnen normalerweise Märchen, bemerkte er hämisch. Das Dumme ist nur, dass du noch dazu im Rollstuhl sitzt und da so schnell nicht wieder raus kommst.
Hauptsache, ich sitze nicht lebenslänglich! Sagte sie.
Fiona strich sich das glänzend blonde Haar aus der Stirne und betrachtete Dr. Johnson forschend.
Du könntest mir helfen, wenn du nicht hinter Gitter wärest.
Ein Arzt in meiner Situation kann sich seine Patienten nicht aussuchen. Aber auch du, Fiona, könntest mir helfen, wenn du nur aufhören würdest in mir den Schuldigen zu sehen. Ich war es nicht. Es ist ein großes Glück nicht geboren zu sein, Fiona, nur wenigen ist es beschieden. Glaub mir, flehte der Arzt.
Fiona aber legte den Telefonhörer hin, drehte elegant ihren  Rollstuhl fort von der Glaswand, die sie von Dr. Johnson trennte und ließ sich vom wachhabenden Beamten die Türe aufhalten. Sie lächelte ihm zu und rollte  zum Lift. Sie wartete. Der Lift kam, die Tür öffnete sich und Fiona  verschwand hinter der sich mit einem Klingelton schließenden Tür. Sehnsüchtig und mit  traurigem Blick sah der Beamte der schönen Rollstuhlfahrerin nach.
In der Kabine wartete Fiona, dass sich der Lift in Bewegung setzte. Sie musterte ihr Profil im Spiegel, richtete sich auf, streckte die Schultern und setzte ihre eleganten Schuhe auf den Boden der abwärts fahrenden Liftkabine, um sich leicht und graziös aus dem Rollstuhl zu erheben.
Sie streifte den Rock glatt, zwinkerte ihrem Spiegelbild zu, beugte sich hinab zum Rollstuhl. Flink legte sie ein paar Hebel um. Es klickte jedes Mal, als drückte sie einen Abzughahn. Als sie den Rollstuhl zusammenklappte, blieb der Lift im ersten Stockwerk plötzlich stehen und ein eiliger Rechtsanwalt hüpfte herein. Er war wütend.
Sie haben mich geschnappt, schimpfte er.
Ich wollte hochfahren, einen Klienten aufsuchen. Und nun muss ich mit Ihnen noch mal zur Tiefgarage.
Er scharrte mit seinen beschlagenen Sohlen und benahm sich extrem nervös.
Ihr erster Fall? Fragte Fiona ironisch.
Was?
Der junge Anwalt schien sie kaum wahrzunehmen.
Was haben’S gesagt?
Ach, schmollte Fiona, und dann hielt der Lift schon in der Tiefgarage.
Leichtfüßig lief sie dem Ausgang entgegen, warf dem Juristengesicht noch ein „viel Glück“ zu.
Wenn nur nicht das Rollstuhlgestänge gegen ihre Knöchel schlüge, dann würde sie jetzt auch nicht stolpern. Doch Fiona stolperte und fiel hin. Der Asphalt riss die feinen Netzstrümpfe auf.
Der junge Anwalt hatte ihren Sturz vom Lift aus beobachtet und kam ihr entgegen, half Fiona auf die Beine.
Als sie an seinem Arm den ersten Schritt wagte und umknickte, sagte er: Sie haben sich verletzt.
Fiona lächelte: Ich glaube, ich habe mir den Knöchel verstaucht.
Tatsächlich schwoll die Stelle rasch an und sah schlimm aus. Der Anwalt klappte den Rollstuhl wieder auf und half Fiona Platz zu nehmen.
Oh, das tut mir leid. Wie kommen Sie jetzt nach Hause? Mit dem verdrehten Fuß können Sie nicht Auto fahren. Sie könnten zwar nach Hause rollen, aber Sie wohnen doch nicht in der Nähe oder? Sagte der Anwalt.
Du meine Güte, ich lebe ja nicht in der Gosse.
Wenn Sie möchten, fahre ich Sie später nach Hause, Sie müssten aber ein wenig warten. Ich habe ein Klientengespräch. Doch das wird nicht lange dauern. Sind Sie Anwältin?
Nein. Ich bin bloß zu Besuch in der Haftanstalt gewesen. Mit Recht habe ich nichts zu tun. Genau genommen gar nichts, grinste Fiona.
Können wir uns später weiter unterhalten? Bat der Jurist.
Mein Name ist übrigens Adalbert. Adalbert Richter.
Gut, Adalbert, ich warte auf Sie in der Cafeteria.
Fiona, wieder im Rollstuhl, begab sich in das Lokal im Untergeschoss, Gott sei Dank, öffneten die Türen dort automatisch. Vielleicht für die Gefangenen, die mit Handschellen Kaffee trinken müssen, überlegte Fiona.
Sie schüttelte erneut ihr blond glänzendes Haar und sofort stand der grantige Wirt neben ihr, riss sich zu einem Lächeln zusammen und schob sie an den saubersten Tisch.
Na, ist der Liebste hinter Gittern? Aber ein richtig großer Latte Macchiatto wird Ihnen die Lebensgeister zurückgeben.
Fiona seufzte gekonnt, setzte sich an den saubersten Tisch und  fragte sich: Wo bin ich bloß gelandet? Und dieser blöde Fuß, muss der gerade jetzt kaputt gehen, wo ich frei bin?!
An den anderen Tischen befanden sich ein Wachebeamter, eine schwangere, sehr junge Frau, ein Sandler.
Der Wachebeamte musterte Fiona. Wandte sich dann wieder der jungen  Schwangeren zu. Sie hatte ein blaues Auge. Trank selber einen Kaffee.
Der Wachebeamte trank auch einen Kaffee. Der Sandler trank einen  Kaffee. Es gab nur Kaffee in der Cafeteria. Fiona bekam ihren eigenen Kaffee und rührte in dem Getränk. Sie sah sich um. Sie  rührte  immer  langsamer und sah sich immer intensiver um. Ihre Pupillen fetzten hin und her. Bis sie sich an einem Punkt in der Ferne festsaugten.
Fiona hörte zu rühren auf, und auch die Pupillen rührten sich nicht  mehr. Sie starrten auf einen Punkt. Fionas Lippen öffneten und ihre  Augen  weiteten  sich. Was war los mit Fiona? Ging ihr ein Licht auf? Sah sie  etwas Schreckliches? Was?

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Zweites Buch
Libuse

1 Yoshi vertraute seine kleine Tochter Zieheltern an.
Diese beschlossen, Libuse fern vom Trubel der Öffentlichkeit zu betreuen. Sie wollten ihre Fähigkeiten  nicht vom Medienwahn auf die falsche Fährte ziehen lassen und träumten von Libuses Entfaltung im Schoße der Natur. Yoshi war damit einverstanden und reiste in die Welt um an den Universitäten zu arbeiten.
So oft die Zieheltern  konnten, zogen sie sich mit der Kleinen auf eine Berghütte zurück, bedacht die natürlichen Instinkte Libuses zwischen Almkühen, Margariten und Moos sprießen zu lassen, fern vom dunklen Fluss und seinen elenden Anwohnern.
Ziehmutter Maja spürte, dass sie letztlich alle von diesem Vorgehen profitieren würden und Ziehvater Geldzwerg hatte eine prophetische Ader, die ihm sagte: Mach dich rar, so wirst du ein Star.

In der Berghütte gab es ein kleines Zimmer, das immer geschlossen blieb. Libuse war drei Jahre alt, als sie bemerkte, dass in den Abendstunden die Zieheltern  hinter dieser Türe bis zum Morgen verschwanden.
Was taten sie hinter dieser Tür?
Sie guckte durch das Schlüsselloch, doch es war zu finster. Es war nichts zu hören und nichts zu sehen. Das einzige, was Libuse spürte, war Angst. Stumm und steif hockte sie vor dem kleinen Zimmer. Sie hielt Wache, die ganze Nacht hindurch, hoffte, dass die Eltern unbeschadet mit dem Morgenlicht wieder auftauchen würden. Sie faltete die Hände, bis die ersten Bergsonnenstrahlen durchs Fenster fingerten und sie in einen Kreis aus Licht badeten.

2 Einmal, nach bangem Warten, hatte sie eine Idee.
Sie schloss flugs die fest versperrte Berghüttentür auf, tapste barfuss raus und um die hölzernen Ecken. Unter dem Fenster des geheimnisvollen Zimmers stand eine Bank an der Hauswand. Libuse kletterte hinauf und erspähte durch den Vorhang die Umrisse eines Schrankes, dessen Türen sperrangelweit offen standen.
In seinem Inneren türmte sich ein Gebäude auf, dessen Zacken der Skyline einer Großstadt glichen. Die davor aufgestellten, brennenden, dicken Kerzen verliehen den Umrissen der Zieheltern einen unheimlichen Schein. Ihre Köpfe beugten und hoben sich in ständigem Rhythmus, ihre erhobenen Handflächen berührten und trennten sich wieder. So ging es dahin in stummer Anbetung.
Libuse strengte ihre morgenmüden Augen an, aktivierte die Teleskop-Funktion und drang mit geschärftem Blick in die Tiefe des Raums, näher und näher an den geheimnisvollen  Bau heran. Und siehe, er war aus Tausenden und Abertausenden rechteckiger Papiere in Blau, Rot, Gelb und Grün errichtet, von denen die Zieheltern immer dicke Stapel mitnahmen, wenn sie größere Anschaffungen machen mussten.
Im riesigen Schrank funkelten schlanke Türme aus Gold und bunte Scheinchen hoben sich unter dem Atem der Anbetungen und senkten sich wieder. Dünne Schwaden von Räucherstäbchen und Kerzen hüllten die beiden gläubigen  Pflegeelternhälften ein, füllten den Raum und drangen durch die Fensterritze hinaus ins Freie, wo Libuse hockte und die Szene beobachtete. Sandel- und Süßholz kitzelten ihr die Nase. Die Düfte benebelten sie, deren Schleimhäute noch so fein und unberührt waren.
Libuse atmete die Almluft und war beruhigt. Goldene Sonnenstrahlen umfingen das Kind. Es wünschte sich, in diesen riesigen Schrank einzudringen, sein kostbares Innenleben zu beschreiten, anstatt ausgeschlossen zu sein und draußen im Morgenschein der Alm zu sitzen. 
Lächerlich, dass das Zimmer stets abgesperrt wurde, die Alten jede Nacht dorthin verschwanden, und nichts je vom riesigen Schrank und seinem wundervollen Tempel erzählten. Libuse zupfte ein paar Blümchen und legte sie auf den Fenstersims nieder. Geld war bunt und glitzernd,  ein verheißungsvolles Versprechen.

3 Als das Mädchen vor der Hütte saß

und nachdenklich einen Grashalm kaute, hörte es plötzlich eine Stimme:
He, du! Ich wusste gar nicht, dass Menschenkinder auch Gras fressen!
Libuse blickte um sich, konnte die Stimme hören, aber keinen dazupassenden Körper entdecken.
He, bist du blind? Ich stehe ziemlich nahe vor dir. Sagte die Stimme hämisch.
Libuse blinzelte. Das einzige, was sie sah, waren ein paar Vögel in den Bäumen und die freilaufenden Kühe, die frühmorgens bereits lautstark damit beschäftigt waren, das würzige Almgras zwischen ihren Zähnen zu zermalmen.
Na, siehst Du mich? Hörte sie die Stimme direkt von der Wiese her. Sie konnte sich nicht täuschen.
Schließ die Augen, kleine Libuse, und gehe immer gerade aus. So wirst du mich finden. Sagte die Stimme.
Libuse gehorchte und marschierte barfuß durch die taufeuchten Grashalme, streckte die Ärmchen vor sich aus und traumwandelte in Richtung der Stimme, bis sie plötzlich von einem  warmen, weichen Bauch gestoppt wurde.
Genau, ich bin`s! sagte die Stimme und die vorderste der übergesunden Almkühe nickte ihr zu. Und ich kann einige deiner Fragen beantworten, sagte die Kuh.
Wirklich? Wunderte sich Libuse.
Sie war entzückt, dass sie mit einem Male mit Tieren sprechen konnte. Das eröffnete ihr neue Aussichten. In der Einsamkeit der Alpengegend  hatte sie oft gleichaltrige Spielgefährten  vermisst, Vertraute ihres Schlages, denn die Zieheltern waren immer so ernst und geschäftig.
Wie heißt du? Fragte sie die freundliche Kuh.
An guten Tagen nenne ich mich Medea. An schlechten, wenn mein Fell mich zu sehr juckt, bin ich Kreusa.
Und heute ist ein guter Tag? Fragte Libuse.
Ja sicher, mein Kind. Heute Nacht hast du eines der wichtigsten Prinzipien der Menschheit erfahren.
Du meinst diesen komischen glänzenden Tempel von Ziehmama und Ziehpapa, den ich nicht sehen soll?
Genau, erwiderte Medea, und schnappte sich ein großes Büschel Almkräuter. Es krachte und grummelte unter ihren großen Zähnen.
Öntscholdgong, sprach die Kuh, och moss ononterbrochn frossn.
Libuse spielte währenddessen mit dem warmen Fell Medeas, kitzelte sie ein wenig, das Tier zuckte gefällig. 
Libuse war neugierig und wollte mehr über die Anatomie der Kuh erfahren, bückte sich, betrachtete die dicken Euter, umkreiste Medea und zog schließlich fest an ihrem Schwanz.

Da fing es an zu grollen und zu donnern in Medeas Bauch, sie stöhnte und mit einem kräftigen Muh, bei dem ihr die Almhalme aus dem Maul fielen, stieß die Kuh ein paar Maria-Theresien-Taler und Golddukaten aus ihrem Arschloch. Entzückt klatschte Libuse in die Hände und wiederholte die zum Ausfall anregende Stimulation der Kuh, zog nochmals und nochmals am Schwanz. Medea muhte und schiss einen Maria-Theresien-Taler nach dem anderen, bis sie regelrecht entleert war und ein goldener Haufen auf der Wiese lag. Libuse konnte nicht genug kriegen vom Schwanz-Zieh-Spiel, bis Medea keine Taler mehr ausschied, stattdessen salvenweise Mozartkugeln auf Libuse abfeuerte.
Aua, sagte Libuse und rieb sich die Stellen, an denen sie die Mozartkugeln getroffen hatten.
Verzeih, sagte die Kuh, ich wollte dir nicht wehtun.
Ist schon in Ordnung, sagte Libuse, ich verdiene  meine Strafe, denn ich habe dich zu meinem Vergnügen ausgenützt!
Och, sagte Medea, schon wieder versöhnt grasend und käuend, und blickte lieb und treuherzig drein.

Libuse schmiegte sich an die weiche Kuh. Medea wendete den Kopf und glotzte zum Kindchen, es mit der Schwanzspitze sanft peitschend.

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Drittes Buch

Herminator

1Eng umschlungen lagen
der Herminator und Libuse in den weißen Dünen an der Küste Afrikas. Das flitternde Liebespaar schlief erschöpft von der langen Hochzeitsnacht im Palmenschatten seines Ferienbungalows. Die Verliebten merkten gar nicht, dass das Meer immer näher kam, mit immer größerer Wucht gegen den Strand peitschte. Traumverloren pflügte der Herminator mit den Fingern durch den weißen Sand. Da er im Gebirge aufgewachsen war, praktisch mit Skiern an den Füßen auf die Welt gekommen, waren Abhänge und Schnee sein Element. Doch jetzt war er in Afrika und Sand ersetzte den Schnee.
Seine Skier steckten im Schatten einer Düne, damit das Material unter der Sonne nicht ermüde. Der Herminator schlummerte, und als ihm das wilde Meer die Zehen zu lecken begann, erwachte er. Seine Augen wollte er trotzdem nicht öffnen, um den Moment des perfekten Glücks nicht zu verlieren, aus dem ihn die feuchte Salzwasserzunge des Ozeans gekitzelt hatte. Libuse, die etwas kleiner war als er, und die der steigende Meeresspiegel noch nicht erwischt hatte, träumte weiter.
Doch dann nahm auch sie eine Veränderung wahr. Einerseits war den Geliebten ein leiser Schauer durchlaufen, andererseits drang nun ein unangenehmer Geruch an Libuses Nase. Der Geruch der Tropen, eine Mischung aus Fäulnis und Verwesung. Aber hatten nicht die eifrigen Diener ihres abgeschiedenen und exklusiven Hochzeitspavillons für die Beseitigung des Ekel erregenden und Libuses Nase beleidigenden Geruchsschwalls zu sorgen versprochen? Das Liebespaar hatte doch Full Service gebucht. Und Full Service wollte Libuse haben. Sie rümpfte die Nase, schlug die Augen auf und sah gerade noch, wie ihr der ganze Full Service davonschwamm.
Die als Beduinenzelte getarnten Umkleidekabinen, das wunderbare Siebensterne-Buffet, die Tischdecken aus Gazestoffen trieben wie riesige Schirmquallen unter der Wasseroberfläche abwärts, bis sie vom alles vernichtenden Blau des Meeres verschluckt waren. Die aus Tropenholz geschnitzten Terrassenmöbel, das Perlmuttbesteck der gedeckten Tische, alles schaukelte wild auf den Wellen vorbei. Teppiche und Elfenbein, Tigerfelle und Büffelhorn, Trommeln und Schalmeien, alles was Afrika für Edeltouristen zu bieten hatte, sogar die Edeltouristen wurden davongetrieben. Sie schlugen wild mit den Armen um sich und schrieen um Hilfe.

2 Der Meeresspiegel stieg weiter.
Libuse sah den Herminator erwartungsvoll an, der nur grunzte, entschlossen in den weißen Sand griff, welcher nun nicht mehr rieselte, sondern nass klumpte. Er formte einen Sandball und warf ihn wütend ins Wasser. Wütend, weil erstens die Flitterwochen mit Libuse nicht ins Wasser gefallen, sondern ihnen das Wasser bis zum Hals gestiegen war. Wütend, weil zweitens die ganze Welt schon immer Bescheid wusste, dass der Treibhauseffekt die Polkappen zum Schmelzen bringen würde - und nun war es soweit. Libuse lächelte ihm aufmunternd zu.
Das wird schon wieder, meinte sie, selbst als das livrierte Personal in den Fluten unterging und noch zum Abschied die silbernen Tableaus auf weißbehandschuhten Fingerspitzen über die Wellenkämme balancierte.
Der Herminator grunzte schon weniger verärgert, da ihn das Lächeln seiner Libuse aufmunterte.
Also gut, sagte er, komm, wir retten die Welt. Selbstverständlich, mein Lieber, du hast immer schon verstanden, worum es geht, deshalb liebte ich dich auch vom ersten Augenblick an, als du durch die Lüfte flogst und in den Schnee beißen musstest.
Ja, da hatte ich tausend Schutzengel, sagte er blinzelnd und legte sein makelloses Gebiss frei, die regelmäßige Zahnstellung, wie perfekt vermauerte Ziegel.
Rundum brauste das Meer, die Palmen bogen sich unter dem Wind, und der Meeresspiegel stieg weiter.
Es wird Zeit, sagte der Herminator, schwang sich auf und stapfte durchs Wasser zur Düne, wo die Skier im Schatten steckten. Er zog die Bretter aus dem Sand, klopfte sie ab und trug sie zu Libuse zurück. Sie war inzwischen schon auf die Spitze der Düne geklettert und sah gerade das pagodenhafte Dach ihres Hochzeitsbungalows vorbeitreiben - entsetzlich.
Der Herminator stellte seine Füße auf die Skier, und sobald seine Fußsohlen das Material berührten, verwuchsen sie mit den Skiern.
Stell dich hinten drauf, rief er seiner Geliebten durch das tosende Meer zu, und halt dich fest.
Gesagt, getan, das Liebespaar verschmolz gleichsam zu einem Körper auf zwei Skiern und los ging’s.
Hermi, so nannte ihn Libuse in intimen Momenten bretterte über die Wellenkämme, dass der Wind nur so an ihren Ohren vorbeibrauste. Rasch ließen sie das Wellnessinsel-Desaster hinter sich und der Skiweltmeister beschleunigte, bis die Bretter abhoben, von der Welt, die sie bisher gekannt hatten.

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