Gut im Bild
Hand-Buch

Verlag Ritter
Klagenfurt 1994

Textauszug

Presse

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GUT IM BILD


Ziehen Sie diese Seiten an, betrachten Sie sich als Papier. Schneiden Sie alles aus und tragen Sie die Teile der Flieger, die Blitze an einem schönen Tag. Im Innern der Zeichnung. Grinsen Sie gefärbt!
Sie finden sich wieder in den Sohlen von teuren Schuhen, sie säumen ihren Rock als Held. Mischen Sie: Knöpfe, Gürtel, Boxhandschuhe, Ketten und geformte Gesichter. Drücken Sie auf Pause!





ANZUG. Jungen, die alles wollen, vor allem nicht die geraden Anzüge, sondern Erdteile, die entfernt bleiben. Dazu finden sie Farben von Lehm, Früchten, tragen Schuhe in der Hand und über den Schultern, Perlen in Nasen, Hüte voll Blumen und sie wandern und wandern und wandern und kommen gut an.


Fährt ihm über die Stirn, die Spitze eines Dreiecks, trägt er den Buchstaben am Kopf. Es sind zwei als Zeugen für die Vorstellung eines Mannes, die zu bestellen ist per Telefon. Und das kostet nichts, es wird sofort gewählt und genehmigt, abgeschlossen. Plötzlich steht ein Karton vor der Türe. Er packt die Anzüge aus, die er zurückschickt und anzieht, wenn er sich selbst nicht leiden mag. Lauter Eitelkeit.


Weiss schwarz weiss schwarz spielen sie anders, werfen blaues Licht auf ihre Farbe. Das Dunkle fängt an im Namen einer weissen Art und gibt sich genauso. Reihen von Zähnen sind nur zum Singen da, zum Zeigen für die Ohren an den Plätzen mit vollen Tellern.
Einer singt am Rande, man hat ihn geöffnet wie eine Kasse und die Menschen müssen durch. Fahren über den Mund, die Wanderung von Händen in Taschen. Grelles Blau um die Nase, ergeben dem Wechsel, dem Metall. Er trägt schwer an Demut und läßt die Farbe des Geldes auf sich werfen. Sein Anzug ist bezahlt mit dem Neid der Weissen, also lacht er im Schweiß.




BADEANZUG. Das Dach ist von Bäumen und sie steht im Freien. Unter Blättern, leicht gekleidet, denn es gibt eine Arbeit, die gerne verrichtet wird. Wo alles fast von selbst läuft, dreht sie am Hahn, läßt Wasser rinnen aus dem Schlauch. Dabei kann an anderes gedacht werden. Etwas wächst. Sie schüttelt das Haar, den Strauch, zupft träge ein paar Blätter. Das alles unter der Sonne und so betrachtet durch den Spalt am Zaun. Achtung!


Blau schwebend, selten blind und die Hand am Bauch. Verzweiflung im Zweiteiler, damit kein Wasser drankommt. Fehlende Schärfe ersetzt durch eine Masche.


Wasser. Eine Lage des Verschwindens im Hin- und Herschwimmen. So passiert das Zusammenziehen, die Verkleinerung der Glieder, das Flackern der Formen mit dem Licht, den Wellen. Unter Gummi gibt es kaum einen Kopf, mit Taucherbrille vor den Augen. Kaum Luft und doch versunken im Himmel, der ans Wasser reicht. Einzige Berührung.


Im Sommer ist sie doch mit Familie hierher gefahren, mit Freundin. Man liegt im Badeanzug auf der Terrasse in sicherem Abstnd vom Meer und trinkt Bier. Oft schreckt sie auf, wenn sie - von Wärme betäubt, halb eingeschlafen - sich plötzlich verlassen sieht.
Wohin sind die anderen gegangen? Sie verlangt mehr. An Zuwendung und Vertrauen. Vielleicht aber ist es dazu schon zu spät. Seltsam.

BRILLE. Oh, die Sonne! Sie sind zu viert und haben nichts miteinander zu tun, sind doch ähnlich, aber im Sand mit gefalteten Händen. Was wollen sie?
Männer, die glänzen, kalt, die Gläser im Gesicht. Irgendwann fallen sie zurück mit jedem Schritt. Man kann sie nicht ertragen.


Die Jungen werden böse, es ist ein gutes Jahr dafür. Sie werden beliebt wie Knochen, Wüsten aus Stein, wo kein Taxi hält. Schwarze Klappen vor den Augen schütteln sie niemand die Hand, schiessen trotzdem daneben.
Wo es nötig ist, lassen sie sich fallen hinter Bergen von Schutt mit Musik, die sie immer mit dabei haben. Darum verkaufen sie sich so gut.


Dann wieder die Qual, die Verkennung eines Meisters, im Rauchen und Brillentragen. Wieder ein Aufwerfen von Lippen, die nichts wert finden: Zu zweit gelassene Lippen.
Wie die Nase mit der Farbe der Finger spielt, Zeichen derselben Art. Drängende Weisen von Denken und Falten und leeren Blättern. Streifen am Hemd; die wenigstens wechseln. Umsonst, umsonst die Ringe in Gold! Im Chor mit Gläsern und mit einem Mal reißt der Verschluß und über die offene Brust rinnt Wachs. Drähte schmelzen in roter Umgebung.







BRILLE. Andere Frauen wieder tragen im Café die Brille, gerade an der Theke und suchen doch draußen weiter. Handschuhe bis zu den Schultern, das Holz im Kreuz, der Wind im Rock kommt immer vom Kanal hoch.


Abends träumt sie von den Künsten und denkt an langgezogene Treppen, Portale von Löwen flankiert. Sie selbst mittendrin, die Brille abgenommen und einfach so tun können, als wäre das einfach so da. als wäre das so einfach. Sie tänzelt über steinerne Stufen, um die Ecke einem Brunnen entgegen, in den sie nichts wirft.


Eine hat es geschafft: Endlich Zimmer mit Balkon, mehr Licht, zwei Seepferdchen kleben an der Glastüre und sie kann machen, was sie will.
Zu jeder Tageszeit, wie sie will, bestellt sie ihre Liebhaber und bestellt sie ab. Sie nimmt die Sonnenbrille, wenn die Sonne scheint und oft den Hut mit dem breiten Rand. Nur für sich trägt sie weiß, sie ist nicht mehr Braut. Ihr Haar ist schwarz, gefärbt, und am Schaft ihrer Beine lauern Strumpfbänder.
Wie sie das Glas in Händen hält! Sie begießt den Morgen und zeigt einiges vor. Es wird immer so sein. Ein Berg von weißem Bettzeug türmt sich im dunklen Raum.






FARBEN. GOLD. Man hat ihn samt dem Hahn, dem Göttlichen geladen. Er darf sein unter ihnen, wenn er betet. So preist er, die Hand in der Höhe, in Form von Liedern und kniet, den Hahn im Arm. Ein Flackern des Lichts und das Tier ist verloren, Blut rinnt aus der Kehlen, aufgegangen in einem Ton, der aus Gold ist, Stroh, leichtem Glühen. Der Mann leuchtet wie die Sonne beim Utnergang, läßt nicht den Hut am Vergehen.












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