Auf der Suche nach anderen Namen in unseren Namen sind im Laufe von Monaten Anagramme berühmter Personen entstanden. Die Buchstabenmenge von SABINESCHOLLTHOMASJOCHER bildet das Ausgangsmaterial. Da die berühmten Namen nur damit gestaltet werden können, müssen sie durch diese Beschränkung auch verändert werden. Das Finden und Verfremden geschieht mittels optischer und klanglicher Assoziationen. Das Lautmaterial dazu wird von mehreren Sprachen getragen: Deutsch, Französisch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch. Die Namensanagramme sind nicht - wie die Anagramme von Gedichtzeilen - als Suche nach einem neuen Sinn aus einem schon vorhandenen zu verstehen. Im Gegenteil: Sie persiflieren das Festgelegte, indem sie es zerstreuen. In der Verfremdung zählt der Abstand zwischen Vorbild und Abbild nicht mehr. Der Erkennungseffekt ist meist von Lachen begleitet. Lachen darüber, daß der wertvolle Vorrat des Bildungsbürgertums auf diese Weise verbraucht wird. Lachen und Irritation, weil keiner wirklich sicher sein kann, alles zu wissen und das Richtige im Falschen dennoch auszumachen.
Obwohl NO-NAMES erst vier Jahre zählen, haben sie schon Orstveränderungen erfahren. Ausgedacht in Lissabon, weitergeführt in Galizien und Madeira, wurden NO-NAMES das erste Mal im September 1993 in Wien der Welt gezeigt. Die Wände des Theseustempels im dortigen Volksgarten waren bei dieser ersten Präsentation mit Namenstapeten beklebt, um in der Erinnerung an echte Namensorte, die wie dieser häufig von staunenden und rätselnden Touristen aufgesucht wurden, besonders deutlich werden zu können. Damals schon wurden NO-NAMES durch ein Buch verstärkt.
Als zweiten Aufenthaltsort wählten NO-NAMES dann drei Jahre später, im Mai 1996 nochmals einen ehrwürdigen Ort, Schloß Solitude bei Stuttgart, das sich allerdings nicht bekleben lassen wollten. NO-NAMES flackerten daher erstmals in der Form von Diaprojektionen an die Wand, zur Eröffnung begleitet von einer Stegreifrede des Dichters Oswald Egger, der sich zu diesem Zwecke als Hintergrund für NO-NAMES bereitstellte. Im November 1997 sind NO-NAMES im weltweiten Netz gelandet....